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30. Oktober 2014
Review
  DAS SCHWARZE AUGE: BLACKGUARDS
  [ Mac / PC ]   

DAS SCHWARZE AUGE: BLACKGUARDS Mit Blackguards wagt sich Adventure-Profi Daedalic auf ein neues Terrain. Nach zwei Point n' Klick-Umsetzungen der DSA-Lizenz liefert die Hamburger Firma ein waschechtes Taktik-Rollenspiel ab.
Dazu kommt dieses nicht mehr im gewohnten 2D-Stil daher, sondern nahezu vollständig in 3D.

Wir haben diesen Titel erst mal gut abhängen lassen um ihn jetzt genauer auf seine Qualitäten zu untersuchen.

Animierte Zwischensequenzen wie diese sucht man mit der Lupe, und bewegen tut sich da auch nicht viel.

Als DSA-Fan hat man es nicht leicht. Vor mehreren Jahren gab es mit Drakensang zwar eine gute und auch halbwegs erfolgreiche, aber auch sehr schnell eintönig werdende Spielumsetzung der Rollenspiel-Lizenz. Von der extrem durchwachsenen Neuauflage des 90er Jahre-Klassikers Schicksalsklinge reden wir lieber gar nicht erst.
Mit Blackguards macht Daedalic vieles anders und löst auf den ersten Blick verstärktes Stirnrunzeln aus. Der als Rollenspiel vermarktete Titel bietet kaum alternative Lösungswege, Orte sind nicht frei erkundbar, sondern nur eine Sammlung von Standbildern mit einzelnen Aktionsmöglichkeiten und die gesamte Optik sieht mehr nach einem amerikanischem Südmeer-Fantasy-Titel aus und hat mit der gewohnten DSA-Präsentation kaum noch etwas gemein.

Doch wenn man über diese ersten Ungereimtheiten hinwegsieht und sich unvoreingenommen auf das Spiel einlässt, kann man ein sehr unterhaltsames, nicht perfektes und alles andere als einfaches Taktik-Rollenspiel entdecken, dass sich nicht verstecken muss.
Dabei ist die Einstiegshürde nicht ganz unerheblich. Die über fünf Kapitel verteilte Story braucht viel zu lange um in Fahrt zu kommen. Weder die anfängliche Flucht aus dem Gefängnis, das Zusammentreffen mit den ersten beiden Gefährten oder deren Charaktere sind wirklich packend oder kreativ. Einzig dass man als Gesuchter auf der Flucht ist wird im Lauf der Handlung immer wieder gekonnt aufgegriffen.
Die ersten zwei Kapitel bieten noch keinerlei nennenswerten Freiraum. Ein paar Gebiete sind zu entdecken und man lernt nach und nach das Steigerungs- und Kampfsystem. Eine richtige Erläuterung fehlt leider und selbst Kenner der Vorlage werden nicht sofort durchsteigen. Oft ist man auf wiederholtes Ausprobieren und Analysieren der Kampfereignisse angewiesen, bis man merkt wo die Schwachpunkte der eigenen Charaktere und Kampfstrategie liegt. Dann kann man nur hoffen noch genug Erfahrungspunkte oder alternative Quests offen zu haben, um den Mangel durch gezieltes Steigern der nötigen Attribute, Talente, Zauber oder Sonderfertigkeiten zu beseitigen.

Dass man trotz dieser Hürden nicht in die Tastatur beißt, liegt am wirklich gelungenen Level-Design. Die Lernkurve ist gerade am Anfang zwar recht steil, aber nicht unfair. Wer regelmäßig seine Fortschritte speichert hat eigentlich immer eine Möglichkeit eine Lösung zu finden, unabhängig davon welche Präferenzen man für die Charakterentwicklung hat. So hatten wir am Anfang zwar mit unserem Nahkämpfer-Protagonisten schnelle Erfolge, doch wäre er als Bogenschütze deutlich nützlicher gewesen. Mit dem schlagkräftigen und robusten Zwerg Naurim erhält man nämlich direkt am Start einen ausgesprochen robusten Nahkämpfer, während der Zauberer Zurbaran mit seinen Zaubern sowohl die Gruppe aufpeppelt, als auch den Gegnern einheizt. Einen reinrassigen und effektiven Fernkämpfer erhält man erst später im Spiel. Und dennoch konnte sich unser Doppel-Nahkämpfer-Gespann in der Kampagne erfolgreich behaupten.

Immer wieder schwierig: Die Blume erlegen ohne dass sie zu früh kommt.

Nachdem das Spiel im dritten Kapitel nochmal die Schwierigkeitskurve merklich anzieht und den Spieler mit Giftattacken und komplexen Fallensystemen en Masse foltert, bekommt man zur Belohnung im Folgekapitel ein großes zu erkundendes Gebiet mit vielen Quests. Da die Charaktere inzwischen alle recht gute Werte haben und auch Geld kein großes Problem mehr ist, kann man ab diesem Zeitpunkt das Spiel in vollen Zügen genießen. Selbst kleinere Mängel wie das etwas sperrig zu bedienende Kauf-Inventar und die Rüstungsberechnung trüben den Spaß zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Dafür spielt das Spiel ab diesem Zeitpunkt seine vorhandenen Stärken zu gut aus. Auch die Story hat nun endlich Schwung aufgenommen und das einzige Hindernis dieser zu schnell zu folgen, sind die immer mächtigeren Gegner, für die man sich wappnen muss. Da aber auch die Nebenquests im Großen und Ganzen abwechslungsreich gehalten sind, ist das zusätzliche Hochleveln vielmehr Vergnügen als Frustarbeit.

Schwer bepackt: Bis man seine Waffen und Rüstungen gut im Griff hat dauert es sein Weilchen.

Technisch merkt man dem Titel an, dass er Daedalics 3D-Erstling an. Weder die Details der Figuren, noch die Animationen entlocken Begeisterungsstürme. Alles in Allem wäre das Spiel auch auf Systemen der Jahrtausendwende wohl noch spielbar. Die Sprachausgabe ist genau wie die musikalische Untermalung solide. Seinen Charme entwickelt das Spiel trotz der Mängel aus der Mischung von knackiger Taktik a la Jagged Alliance, einem frischen und düsteren Anstrich für die DSA-Kulisse und einer Handlung die nach dem ersten Drittel auch wirklich zu motivieren weiß.


Review
 | Zähe Hülle mit saftigem Kern

Blackguards ist kein tadelloses Meisterwerk, aber eine Empfehlung hat sich der Titel dennoch verdient. Man muss bereit sein ein paar Stunden des zähen Stolperns und lernens zu investieren, ehe das Spiel seine Stärken ausspielen kann. Das eigenständige Design und der Schwierigkeitsgrad heben das Spiel angenehm von sonstigen DSA-Umsetzungen und auch vielen anderen modernen Genrekollegen ab. Das Learning-by-doing-Prinzip erinnert an frühere Tage als Spiele noch länger als nur ein paar Stunden begeistern sollten. Wer bereit ist ein paar Lernstunden zu investieren, wird mit einem sehr gut durchdachten Kämpfen belohnt und kann tatsächlich stolz auf seine Recken sein, wenn sie eine neue Hürde nach mehreren Anläufen endlich gemeistert haben.
Da wir Konzepte abseits des x-mal wiedergekauten Blockbusterschemas zu schätzen wissen, hat sich Blackguards als grantiges aber liebenswertes Charakterspiel drei Sterne verdient.

Wenn der Nachfolger die Bedienung und einige Erläuterungen etwas besser in den Griff kriegt, steht einem vierten Stern hoffentlich nichts im Wege.

  -  Alexander Lachwitz



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