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28. Oktober 2014
Review
  WASTELAND 2
  [ PC ]   

WASTELAND 2 "Krieg, Krieg bleibt immer gleich."

Mit diesem Satz beginnt das neue Spiel von Bryan Fargo zwar nicht, abgesehen davon fühlt es sich aber ziemlich stark nach Fallout an.

Ist das per Kickstarter finanzierte Spiel die erhoffte Erlösung für alle ewig-gestrigen, ein gelungenes Spiel oder doch wie manch andere Crowdfunding-Spiele auf halber Strecke versackt?

Auch wenn diese Tankstelle offenbar schon länger trocken ist; Durststrecken bietet die Handlung kaum.

Als nach langem Warten vor Jahren Bethesda mit Fallout 3 endlich einen Nachfolger für die Kultreihe Fallout veröffentlichte, spaltete dies die Fans in zwei Lager. Auf der einen Seite war man froh über eine Fortsetzung die zudem modern daherkam und den Sprung von 2D zu 3D gemeistert hatte. Auf der anderen Seite bemängelte man den Verlust des pointierten schwarzen Humors, weniger Handlungsmöglichkeiten und einen zu starken Trend zur reinen Freude an Gewalt. Nichtsdestotrotz war Fallout 3 ein großer Erfolg und hat zusammen mit dem Nachfolger New Vegas das Franchise erfolgreich revitalisiert.
Doch unabhängig davon hat der Schöpfer von Fallout 1 & 2, die wiederum geistige Nachfolger seines Frühwerks Wasteland aus den 80ern waren, die Hoffnung nicht aufgegeben ein weiteres postnukleares Rollenspiel zu veröffentlichen, das sich böse gesagt weniger wie ein "Elder Scrolls with Guns" anfühlt. Dank Kickstarter hat er es tatsächlich geschafft seinen Traum zu finanzieren und präsentiert mit Wasteland 2 seine eigene Version eines modernen Rollenspiels, ohne aber alte Zöpfe gänzlich abzuschneiden.

Wasteland 2 entführt den Spieler in ein postnukleares Amerika a la Mad Max. Alte Strukturen sind zusammengebrochen und die Überlebenden des nuklearen Holocaust versuchen sich mit den wenigen ihnen verbliebenen Mitteln gegen Räuberbanden und andere Gefahren der Wildnis zu verteidigen. Die einzige Instanz die eine vage Chance darauf hat langfristig Ordnung und eine Rückkehr zur Zivilisation zu schaffen sind die Desert Rangers. Als ein Neuling in dieser Organisation kriegt man zu Beginn ein kleines Team an die Seite gestellt und soll den Tod eines Ranger-Veteranen aufklären.
Bevor es richtig losgeht, muss aber natürlich erst mal der Charakter erstellt werden. Vollkommen Oldschool entsteht dies über mehrere Bildschirme verteilt und verzichtet dabei auf jedwede Immersion in Form von einem Prolog dass eure Figur einführt. Man klickt sich seine Werte bestehend aus Basisattributen, Sonderfertigkeiten und Talenten zusammen. Zuletzt noch einige Details wie Name, Aussehen und eine optionale Biographie und es kann losgehen. Wer es ganz genau wissen will kann sich auch seine Teamkollegen selbst erstellen. Alle anderen wählen aus einer Palette vorgefertigter Charaktere. Glücklicherweise sind die Kollegen mehr als nur simple Pappkameraden, was man in den selbstständigen Gesprächen und Kommentaren dieser schnell mitbekommt.

Auch sonst lebt und atmet die Spielwelt viel durch die nicht geringe Menge an Texten. Dass nur ein Teil davon vertont ist ist bedauerlich. Als Trostpflaster punkten die Texte mit einer sehr guten und dichten Atmosphäre. Lieblose Questziele oder Beschreibungen sucht man hier vergeblich. Und durch das Stichwort-System ist es möglich in fast jeder Unterhaltung auf hervorgehobene Stichpunkte näher einzugehen. Praktisch ähnelt es bekannten Dialogsystemen, bringt in diese aber endlich eine Struktur, die jedem Spieler sofort klar macht, was er erfahren kann und was nicht. Eine Banalität an der erschreckend viele Spiele regelmäßig scheitern.
Fans von Fallout 1 & 2 freuen sich über die Rückkehr des typischen Humors der Reihe. Auch wenn es in diesem Spiel nicht um die Brotherhood of Steel oder Mutanten geht, man fühlt sich rasch heimisch und auch wenn der Einstieg etwas banaler daherkommt als in den oben genannten Titeln; die Geschichte nimmt rasch Fahrt auf und punktet mit der für Bryan Fargo typischen Skurrilität und liebevollen Details.

Die Vorliebe zu leicht skurrilen Retro-Gegnern ist nicht zu übersehen.

Durch das weit gefächerte Talentsystem gibt es wenige Musterlösungen für eine ideale Truppe. Natürlich kann man alle Eventualitäten im Kampf mit den Bereichen Gewehr, Pistole, Nahkampfwaffen, Waffenlos, schwere Waffen und Sprengstoff abdecken. Aber dann gibt es ja auch vor und nach den Kämpfen soziale Interaktionen. Wer hier keine Talentpunkte investiert hat, kriegt oft nicht nur weniger oder gar keine Beute, sondern auch essentielle Informationen werden nur den Wortgewandten Charakteren mitgeteilt. Ähnlich verhält es sich mit Überlebensfähigkeiten in der Wüste. Und von solchen Sachen wie Reparatur- und Einbruchstalenten haben wir noch gar nicht gesprochen.
Versucht man all dieses irgendwie abzudecken erhält man auf der einen Seite eine ausgewogene Runde, muss aber gerade in den Kämpfen klug vorgehen. Munition ist in den rundenbasierten Auseinandersetzungen generell eher knapp und wer nicht auf die speziellen Eigenheiten seiner Gegner eingeht frisst schnell Staub. Die Lernkurve ist dabei allerdings sehr fair gehalten und dank logischem Aufbau und Erläuterungen entsteht auch deutlich weniger Frust als beim Taktiklastigen Blackguards.

Grafik ist ja bekanntlich alles. Alle Questtexte werden daher in gestochen scharfem Full-HD präsentiert.

Im Vergleich zu modernen Rollenspielen kommt Wasteland 2 extrem Detailverliebt daher was die Möglichkeit angeht die eigenen Charaktere auf- und auszubauen. Normalerweise wird sowas heutzutage entschlackt und Automatismen nehmen dem Spieler viel Arbeit ab. Wasteland 2 verzichtet auf eben jene großflächige Entschlackung und präsentiert gleichzeitig die wohl mit Abstand beste Steuerung für Rollenspiele dieser Art. Alles, von der Steuerung der Schußposition, das Nutzen der Deckung, Waffenwechsel und Nachladen, erste Hilfe im Kampf und vielem mehr ist auf Anhieb schnell und direkt zu finden. Noch nie in all den Jahren ist uns ein klassisches Rollenspiel untergekommen dass so viele Möglichkeiten so schnell und direkt zugänglich macht. Kleine Automatismen wie das automatische Verteilen der Beute an die Charaktere die sie am ehesten nutzen können, sind das i-Tüpfelchen auf einem großen Schoko-Deluxe-Eisbecher den die Gestalter des Interface hier abliefern.

Technisch bewegt sich Wasteland 2 auf gutem Mittelmaß. Die 3D-Grafik ist solide, bietet aber wenige Highlights, was aber auch am Setting liegt, das eben mehr dezent und weniger knallig daherkommt. Musikalisch wurde mit Mark Morgan auch hier ein Veteran der alten Fallout-Titel mit ins Boot geholt und man bekommt frische aber auch vertraute Klänge um die Ohren gesynthesizert. Ein paar harte Gitarrenklänge runden das Flair ab und rücken es mehr in die Welt der bärtigen Desert-Ranger und helfen das Spiel eigenständiger wirken zu lassen.


Review
 | Bryan Fargo, Bryan Fargo bleibt immer gleich

Es ist offensichtlich wie nahe die alten Fallout-Titel und das Original Wasteland sich in vielen Dingen waren. Da viele der heutigen Spieler das Original Wasteland kaum noch kennen dürften; der Nachfolger fühlt sich für Veteranen von Fallout 1 & 2 sehr vertraut an. Dennoch ist es mehr als nur ein aufpoliertes Best-Of. Wasteland 2 kommt mit frischen Akzenten, sowohl inhaltlich aber vor allem steuerungstechnisch daher. Zu Bemängeln gibt es tatsächlich wenig. Wasteland 2 ist ruhiger als viele moderne Rollenspiele, dementsprechend für den einen oder anderen wohl auch schlicht langweilig. Gleichzeitig schwankt die technische Inszenierung überraschend oft zwischen mittelmäßig gut bis "tolle Idee, mehr davon!". Gleichzeitig wünscht man sich rasch einen Level-Editor um eigene Kampagnen zu gestalten, oder womöglich sogar einen richtigen Spielleiter-Modus um Online mit Freunden zu spielen.
Wertungstechnisch fällt es sehr schwer diesen Titel einzuordnen. Als postnukleares Rollenspiel hätte es sich vier Sterne sicher verdient. Aber rein als Rollenspiel gibt es mit Titeln wie dem ebenfalls per Crowdfunding finanzierten Divinty: Original Sin klar bessere Spiele. Mit der guten Steuerung und der dichten Atmosphäre schafft es Wasteland 2 sich aber noch haarscharf vier Sterne zu verdienen.
Wer von Bethesdas Fallout 3 enttäuscht war vergibt einen Bonusstern und zieht Weihnachten einfach etwas vor.

  -  Alexander Lachwitz



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