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06. Dezember 2013
Review
  DER HERR DER RINGE ONLINE: HELMS KLAMM
  [ PC ]   

DER HERR DER RINGE ONLINE: HELMS KLAMM Fast genau ein Jahr nach der letzten Erweiterung 'Die Reiter von Rohan' wird mit 'Helms Klamm' das Königreich Rohan im tolkienschen MMO endlich vervollständigt. Wir begeben uns als alteingesessener Spieler nach einer längeren Pause zurück in die Welt von Der Herr der Ringe Online (kurz HdRO) und schauen wie sich das Spiel Rückkehrern und Neueinsteigern darbietet. Dauerspieler mögen dies verzeihen, aber ganz ehrlich: Ihr habt doch eh sicher schon an der Beta teilgenommen oder alle Fachdiskussionen bis aufs letzte Komma durchgearbeitet.

Zu Beginn stehen wir noch etwas ratlos in der Landschaft. Nicht nur müssen wir wieder unsere kleine Gefährtengruppe zusammenklauben, mit der wir der Gemeinschaft des Ringes folgten, und nun versuchen Merry und Pipin aus den Klauen der Orks zu reißen, sondern wir bekommen auch ein völlig umgebautes Talentsystem vorgesetzt. Letzteres sorgt bei alteingesessenen Spielern zwar erst mal für Verwirrung, sorgt aber für eine inzwischen definitiv fällige Entschlackung. Ehe wir uns um den wohl größten Umbau des Spiels seit seinem Start vor über 6 Jahren kümmern, kommen wir zu dem, mit dem das Spiel schon immer punkten konnte.

"Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühn." - Sagt hier niemand. Rennstrecke zu verfallen!

Die epische Geschichte, die als besondere Questreihe den Spieler durch die Welt führt und ein bequemes Leveln sowohl solo als auch in Gruppe ermöglicht (wenn auch der Trend zuletzt zu immer leichterem Solospiel ging), führt uns nach Westrohan. Schon nach kurzer Zeit stehen wir in Edoras zusammen mit Gandalf, Aragorn & Co. in der goldenen Halle und erleben die Genesung König Theodens. Kenner der Bücher freuen sich wie gehabt über die detailgetreue Umsetzung, während jene, die nur die Filme kennen, sich erst mal bewusst machen müssen, dass die Filme eben nicht eine 1:1-Umsetzung der Bücher darstellen. HdRO punktet hier dank der erworbenen Buchlizenzen erneut bei den Puristen, die die detailverliebte Erzählkunst zu schätzen wissen. Größere Änderung

Eine große Stärke von HdRO (bzw. LotRO für die Fans der englischen Kürzel) lag seit jeher in seiner Vertrautheit. Die beiden Filmtrilogien haben ihren Teil dazu geleistet, bzw. leisten ihn mit dem anstehenden Start des zweiten Hobbit-Films gerade, dass Mittelerde und Tolkiens Fabelwesen inzwischen fast so bekannt sind wie Darth Vader und Lichtschwerter. Dazu hat HdRO zwar immer wieder gewichtige neue Elemente mit ins Spiel aufgenommen, angefangen von legendären Gegenständen, mit denen Spieler selbst einzigartige Waffen nach dem Vorbild von Stich, Andúril und anderen gestalten konnten, über das Scharmützelsystem, um größere Scharen an Kämpfern ins Feld zu führen, bis zum Reiterkampf. Aber das Grundmechanik, die Entwicklung des eigenen Helden wurde im Kern immer gleich belassen. Gewiss, die Charakterklassen wurden immer wieder mal überarbeitet und das System der Grundattribute hat diverse Änderungen erhalten, die auch schon mal Hardcorespieler vor den Kopf stießen.

Aber nun wurde auch das älteste System im Spiel umgebaut. Bisher erhielt jeder Charakter bei Stufenaufstiegen je nach Klasse neue Fähigkeiten freigeschaltet, aktive wie passive. Erstere wanderten in die Aktionsleisten, welche im Lauf der Jahre mit immer höheren Stufen und immer neuen Fähigkeiten merklich anwuchsen. Selbst eher überschaubare Klassen hatten fix zwei oder mehr Aktionsleisten voll. Das war zuletzt nur noch bedingt überschaubar und ist jetzt Vergangenheit. Ab sofort gibt es ein Talentbaumsystem mit drei Ausrichtungen, wie man es auch von anderen MMOs kennt. Die bekannten Fähigkeiten sind Großteils erhalten geblieben und nun in diese Bäume verlagert worden. Bevor es auf muntere Orkjagd geht, wählt man sich je nach Spielstil einen der drei Bäume als Primärbaum und investiert seine Punkte, in den anderen beiden Bäumen kann man ebenfalls Fähigkeiten freischalten, die aber doppelt so teuer sind, wie jene aus dem gewählten Primärbaum. Die Ausrichtung der drei Bäume deckt sich grob mit den früheren Klassenausrichtungen. Effektiv hat man so nur noch die Fähigkeiten in seiner Aktionsleiste, die man für den gewählten Spielstil auch benötigt. Da man zwischen zwei oder mehr Presets umschalten kann, ermöglicht das neue System zwar ein etwas eingeschränktes, aber in diesem Rahmen freies Experimentieren und eher das Entwickeln eines eigenen Spielstils, der auch im Gruppenspiel mit Fremden keine größeren Probleme bringt. Abzuwarten bleibt, welche Anpassungen im Lauf der nächsten Monate hier noch erfolgen. Turbine hatte bisher immer ein sehr offenes Ohr dem Feedback der Spieler gegenüber, wie man zuletzt beim anfangs sehr sperrigen Reiterkampfsystem erlebt hat, das nach einem trägen Start und diversen Patches und Überarbeitungen inzwischen wirklich Spaß macht.

Technisch glänzt Mittelerde in voller Pracht und man merkt, dass sich die Entwickler Mühe gegeben haben, aus der inzwischen betagten Engine das Maximum herauszuholen. Zwar ist die begrenzte Polygonzahl gerade bei Gebäudeansammlungen und den diversen Siedlungen in Rohan gut zu erkennen, auf der Habenseite punktet die Grafik aber mit einer sehr guten Weitsicht (wozu heutzutage selbst eine Grafikkarte unter 100€ ausreicht) und vielen kleinen Details wie dem im Wind wogenden Gras sowie verschiedensten Wimpeln, Flaggen und mehr. Akustisch erhält man den etwas martialisch anmutenden Score wie er schon seit dem 'Aufstieg Isengarts' vor zwei Jahren langsam Einzug hielt, der aber nun auch mit diversen ruhigen und sanftmütigen Stücken abgemischt wurde. Vermutlich auch durch den starken Konkurrenzdruck durch neuere MMO-Vertreter wurde die Zahl der vertonten Dialoge deutlich angehoben. Selbst Nebenquestfiguren sprechen zumindest ihre ersten Sätze noch aus und dieses Mal sogar komplett auf Deutsch. Bei den letzten beiden Updates hatten sich noch vergleichsweise viele englische Sprachzeilen in die Releaseversion geschlichen.

Winterdepression: The Game

Wenn man sich durch die Geschichte gespielt hat, deren Höhepunkt die epische Belagerung um Helms Klamm darstellt, macht sich spielerisch leider rasch eine gewisse Ernüchterung breit, die besonders an zwei Punkten auffällt. Zum einen machen nun selbst eher nicht auf Schaden ausgelegte Klassen mit den gegnerischen Orkgruppen schnell kurzen Prozess. Es wurde zwar von den Entwicklern angekündigt, dass bedingt durch den Umbau des Eigenschaftensystems der Schaden am Anfang zu hoch sein würde, aber tatsächlich ist die Gefahr durch einen Sturz von einer Klippe zu sterben, deutlich höher als durch die Hand der Gegner. Und von denen gibt es nicht gerade wenig. Warum konnte Turbine dieses Balancing nicht schon während der Betaphase abschließen? Zweifellos wird in den nächsten Wochen fleißig nachgepatcht, aber schön ist so ein Einstieg nicht.
Auch bei den finalen epischen Schlachten, die ein neues Gruppen-Player-VS-Enemy-System liefern, fehlt es noch an Ausgewogenheit. Stellenweise kann sich der Spieler fast komplett auf die computergesteuerten Mitstreiter verlassen und muss selbst nichts tun, oder höchstens das große Belagerungsgerät bedienen. Wirkliche Spannung kommt so leider nicht auf. Hoffentlich wird Turbine auch hier nachbessern, ehe noch weitere neue Instanzen und Raids eröffnet werden. Zumindest bei den letzteren beiden darf man wieder auf gute Qualität hoffen, denn schon letztes Jahr wurden die Gruppeninhalte erst später nachgeliefert und konnten dann durchaus mit Abwechslung und guten Herausforderungen punkten.

Die GEZ Eintreiber liessen sich nicht abwimmeln

Die neue Erweiterung macht insgesamt durchaus Spaß, besonders wenn man alleine oder mit einem kleinen Freundeskreis spielt und sich an der weiten Landschaft und den vielen Orten erfreuen kann. Mehr noch als beim letzten Update hat man sich bemüht die vielen Siedlungen interessant zu gestalten und Randfiguren aus den Büchern hier mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Zwar fehlt weiterhin ein Multiple-Choice-System und auch die Rätsel sind kaum als solche zu bezeichnen, doch das Talent für gute Erzählungen ist den Entwicklern kein Stück verloren gegangen. Glücklicherweise hat man auf ein Dorfbauprojekt wie zuletzt in der Wildermark und den Suthofen dieses Mal verzichtet. Die Idee war zwar gut, aber zündete in der Umsetzung noch nicht und endete nur in stumpfsinnigen Grinding. Betrachtet man das Thema Gruppencontent und das Balancing, so tun sich leider noch viele Baustellen auf. Turbine hat zwar wiederholt bewiesen, dass sie in der Lage sind selbst größere Schnitzer auszugleichen, doch trüben diese Mängel den ansonsten hervorragenden Eindruck auf sehr bedauerliche Weise.


Review
 | Generalüberholung gelungen, aber nicht fertig...

Wie schon oft ist es ein Genuss gewesen nach längerer Pause wieder nach Mittelerde zurückzukehren. Die Erzählung ist schon lange weg vom schlichten Schwarz-Weiß der Filme und zeigt, wo die Menschen untereinander ihre Konflikte haben. Klar, sowas ist Geschmackssache, aber für mich ist diese größere Differenzierung ein klarer Gewinn. Ebenso schätze ich, dass man nicht wie bei WoW teils schon abartig viele Stunden in sich stetig wiederholende Aufgaben stecken muss um den Endcontent zu erreichen. Und doch haben auch Hardcorespieler ihre Herausforderungen, spätestens wenn Turbine die nächsten Gruppeninhalte nachliefert. HdRO bleibt weiter einsteigerfreundlich und bietet viele verschiedene Bereiche, die auf Dauer motivieren können, was sowohl an der zuletzt gestiegenen Verlässlichkeit von Turbine bezüglich ihrer Versprechen liegt, als auch an der vergleichsweise freundlichen Community. Damit zeigt sich das etablierte MMO gut zwei Jahre nach dem Wechsel auf das Free2Play-System erneut von einer frischen Seite, kuriert alte Schwächen aus, wagt neue Wege und bringt auch neue Schwächen mit sich.
Damit verdient die neueste Erweiterung solide 4 Sterne. Wer mit seiner Sippe an Vielspielern viele Herausforderungen sucht, sollte erst mal einen Stern abziehen und besser erst nach den nächsten größeren Patches die Reise nach Westrohan antreten.

  -  Alexander Lachwitz



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