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27. März 2012
Review
  SSX
  [ 360 / PS3 ]   

SSX Zählt man SSX Blur, das nur auf der Wii erschienen ist, nicht mit, sind knapp sieben Jahre vergangen, seitdem der letzte Teil der SSX-Serie aus dem Hause Elecronic Arts erschienen ist. Nun steht SSX (Codename: Deadly Descents) für die Present-Generation-Konsolen in den Regalen der Händler. Eine lange Wartezeit, die nicht spurlos an der immer noch sehr großen Fangemeinde des Snowboard-Games vorbeigegangen ist. So ist es verständlich, dass die Erwartungen an diesen Titel unglaublich hoch sind. Es ist unerheblich, ob man SSX nun als legitime Fortsetzung der heißgeliebten Vorgänger ansieht oder als Reboot: Die Neuerungen oder auch 'Verschlimmbesserungen', wie sie teilweise genannt werden, spalten die Fangemeinde in zwei Lager. Eine Kluft, dessen Überwindung es mehr als als den neu eingeführten Wingsuit bedarf.

Die Rahmenhandlung ist dünn wie unnötig. Denn Hand aufs Herz: Unterm Strich geht es darum, einen Berg herunterzufahren. Wer sich da an der Story aufreibt, kann sie entweder überspringen oder das Game-Pad zur Abwechslung gegen ein gutes Buch tauschen.

Gewinner der Herzen unter den tödlichen Gefahren: Die Dunkelheit. Wie man sieht, sieht man wenig.

Auch die Grafik reicht nicht an das Niveau von Battlefield 3 (was man auch beliebig durch andere Referenz-Grafik-Orgien ersetzen kann) heran. Aber Schnee ist nun einmal weiß. Wer hier mehr erwartet hat, glaubt wahrscheinlich auch an den modernen Mythos, dass die eskimo-aleutische Sprachfamilie mehr als 100 Wörter für Schnee umfasse. Der Kulturrelativist Franz Boas, der unfreiwillige Schöpfer dieser Sage, hatte eigentlich sagen wollen, dass ein großer Zusammenhang zwischen Sprache und der gedanklichen Erfassung der Welt existiere. Und Erfassung der Welt bringt es bezüglich SSX auf den Punkt: Befindet man sich erst einmal mitten im Spiel und somit im Geschwindigkeitsrausch, ist einem das alles herzlich egal. Es funktioniert einfach. Tunnelblick und durch.

Im Grunde wurde alles dem Spielspaß und dem Gefühl von Tempo untergeordnet. Wer eine Simulation erwartet, ist definitiv falsch beraten: SSX war von jeher ein actionlastiges Sportspiel und auch jetzt merkt man bei diesem Teil bereits am Anfang, wo die Reise hin- bzw. wie die Reise weitergeht. Aus unglaublicher Höhe wird man direkt zu Beginn aus einem Helikopter geworfen und fällt unendlich lange zu Boden. Zeit genug, um in Form eines Tutorials die grundelegenden Steuerungen zu erlernen. Hierbei hat man die Wahl zwischen beiden Analog-Sticks oder der klassischen Variante über die Buttons. Beides geht jedenfalls recht intuitiv von der Hand, und schnell hat man verschiedensten Drehungen und Grabs erlernt, die es dann zu kombinieren gilt. Der Sturz dauert so lange, wie es eben braucht, bis man das Tutorial durch hat. Im Anschluss wird der Wingsuit geöffnet, man landet und hat die Qual der Wahl der verschiedenen Strecken.

Wobei Wahl zumindest am Anfang übertrieben ist. Man muss die Wettbewerbe erst nach und nach freifahren. Zusammen mit dem Onlinemodus kommt man hierbei auf die beeindruckende Anzahl von knapp 150 Drops, die es zu bewältigen gilt und sich in drei unterschiedliche Wettkampftypen aufteilen lassen. Bei 'Trick it' kann man sich, wie es der Name schon vermuten lässt, so richtig austoben. Hier gilt es, mehr Punkte zu sammeln als der Gegner. Im Rennen ('Race it') sollte man als erster im Tal sein. Wobei man bei einem solchen Event nicht gänzlich auf Tricks verzichten sollte. Damit kann man nämlich seinen Boost aufladen, ohne den man teilweise keine Chance hat. Neu ist der 'Survive it' - Modus, der verdeutlicht, woher der Name Deadly Descents ursprünglich kam. Hier geht es ums nackte Überleben bzw. heil unten anzukommen. Die Herausforderungen sind unterschiedlich: Man beginnt auf einer Strecke damit, dass man im Dunkeln Bäumen ausweichen muss, mal kann man nur mit dem Wingsuit Schluchten überwinden oder man benötigt einen Eispickel, um auf vereisten Strecken steuern zu können. Jede einzelne Herausforderung benötigt ein bestimmtes Upgrade wie den Eispickel, eine Panzerung oder eben den Wingsuit, das man sich erst verdienen muss.
Unter den zahlreichen Strecken befinden sich unter anderem sogar der Kilimandscharo in Afrika oder eine Industriekulisse in Sibirien. Für Abwechslung ist also gesorgt und auch hierbei gilt, dass sich der Realismus der Strecken dem Spielspaß unterordnet.

Könnte auch in der Bat-Höhle entwickelt worden sein: Der Wingsuit

Ein Wehmutstropfen ist für einige, dass man nicht mehr einfach so ohne Wettkampf einen Berg herunter fahren kann, um zu chillen, wie es beispielsweise noch bei Shawn White möglich war. Das würde aber auch dem gesamten Spielprinzip das Wasser abgraben, da man wie oben erwähnt durch gewonnene Wettkämpfe linear weitere Bergregionen freischalten muss. Welche Strecken soll man also bereits am Anfang für eine Freestyle-Abfahrt freigeben? Außerdem kann man auch trotz Wettkampf in Ruhe die Abfahrt gestalten. Dass man dann die Challenge nicht gewinnt, liegt auf der Hand, aber um zu üben reicht das vollkommen aus. Hier kommt die vielgescholtene Rückspulfunktion ins Spiel. Hat man sich irgendwo so heftig verfahren oder ist abgestürzt, kann man mittels der linken Schultertaste bis zu 30 Sekunden zurückspulen. Da die Gegner in dieser Zeit munter weiterfahren, eignet sich dieses Feature natürlich nicht für die Wettkämpfe. Wer einen Wettkampf ernsthaft angeht, wird die Rückspultaste aus Ehrgeiz ohnehin nicht nutzen. Um die Strecken hingegen kennenzulernen und zu üben ist das eine sinnvolle Erweiterung. Um Frustmomente zu vermeiden, hat man sogar die Möglichkeit, Abfahrten zu überspringen, wenn man sie nach diversen Versuchen nicht meistern konnte. Eine gute Idee, da die Events teilweise einen durchwachsenen Schwierigkeitsgrad haben. Hat man gerade noch mit Bravour ein Rennen gewonnen, verzweifelt man man bei der nächsten Abfahrt an den schwindelerregend hohen Trickpunkten des Gegners. Das liegt aber nicht an einer zu komplexen Steuerung. Insgesamt ist SSX recht gutmütig, was beispielsweise Kollisionen angeht oder dass man selbst die abgefahrensten Sprünge relativ einfach 'steht', solange man nur rechtzeit vor der Landung die Finger von den Tasten nimmt. Auch bei Grinds liegt der Schwerpunkt darauf, besonders cool Tricks aneinanderzureihen, statt wie bei Shan White noch das Gleichgewicht ausbalancieren zu müssen.

Besonders lohnenswerte Absprünge sind durch Pfeile markiert. Springt die Boarderin im Bild gleich durch die Rotoren, kann sie alle auf einmal nehmen!

Trotz diverser Fehlversuche sollte man sich aber genau überlegen, ob man wirklich überspringen möchte. Man bekommt dann natürlich keine Erfahrungspunkte und Credits gutschrieben und sieht nicht die Vorgeschichte der einzelnen Boarder, die in Comicoptik daherkommen.
Die musikalische Untermalung ist ohne Zweifel eine Frage des Geschmacks. Hat in den letzten vergleichbaren Spielen der End-Neunziger-Surfpunk oder dessen Nachfolger bis hin zum Emocore und Dicke-Hose-New-Metal dominiert, so hört man nun Remixes von allem möglichen, was sich heutzutage unter dem weitgefächerten Oberbegriff des Electros tummelt. Das mag zwar zeitgemäß sein, ist aber wie oben erwähnt eine Frage persönlicher Vorlieben.

Der Tricky-Modus: Iron Man lässt grüßen.


Viel schwerer ins Gewicht fällt da, dass kein Splitscreen für das lokale Multiplayer-Kräftemessen zur Verfügung steht. Mantramäßig wiederholt und somit seit gefühlten dreißig Jahren verkommt der Wunsch, dass Electronic Arts endlich einmal wieder Splitscreens zur Verfügung stellt, zum Running Gag. Die Need for Speed-Reihe macht es vor, SSX folgt, und die Befürchtungen werden wach, dass man auch Fifa irgendwann nur noch ausschließlich online gegeneinander spielen kann. Ja, Fifa spielt man ohnehin nicht mit Splitscreen, aber es geht ums Prinzip! Gezwungenermaßen wird man sich also den Online-Modus ansehen. Angelehnt an Need for Speed´s Autolog gibt es bei SSX das Rider Net, in dem man sich ununterbrochen mit Freunden messen kann. Ununterbrochen deshalb, weil man sich sowohl zufällig direkt auf der gleichen Piste treffen kann, als auch asynchron über Ranglisten ständig versuchen kann, sich zu überbieten. Direkte Rennen können auch relativ problemlos gestaltet werden. Dafür muss man lediglich ein privates Rennen erstellen und seine Freunde einladen. Wem das alles noch nicht reicht, für den gibt es die globalen Events, bei denen nicht weniger als die komplette SSX-spielende Welt der Gegner ist.


Review
 | Cool, cooler, SSX

Schwerkraft und Realismus sucht man vergeblich und somit ist SSX ein wenig das, was Blur unter den Autorennen ist. Zum Glück, denn SSX macht einfach nur Spaß. Halsbrecherische Geschwindigkeit, schwindelerregende Sprünge und Stunts... Was will man mehr? Ok, oben erwähnte Kritikpunkte sind nicht zu vergessen, aber da ich bereits wieder das Bedürfnis empfinde, ein paar Abfahrten zu machen, gibt es jetzt schnell vier Punkte mit Tendenz nach oben, und ich bin raus.

  -  Michael Holtschulte



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